„Digitale Bildung“ – ein berufsbegleitendes schulinternes Lehrerfortbildungskonzept

Digitale Medien können – richtig eingesetzt – neue Lehr- und Lernformen unterstützen und Unterricht als auch Schule insgesamt innovieren. Zudem steht Schule in der Verantwortung, die Kinder und Jugendlichen auf ihrem Weg zu mündigen Bürgern im digitalen Zeitalter zu unterstützen. Für eine gelungene Implementierung digitaler Bildung an Schule bedarf es neben einer funktionierenden technischen Infrastruktur inklusive professionellen Supports und curricular verankerter Konzepte auch eines qualifizierten Kollegiums. Der sinnvollste Weg, Lehrerinnen und Lehrer in diesem Bereich fortzubilden, sind schulinterne Fortbildungsmaßnahmen, da sie die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen, sich leichter in den Arbeitsalltag integrieren lassen, eine Vernetzung des Kollegiums ermöglichen und Synergieeffektive bewirken können. Für meine Schule habe ich ein Fortbildungskonzept entwickelt, welches in diesem Schuljahr in einer Pilotphase erprobt wird und welches ich in diesem Blogbeitrag in den Grundzügen darstellen möchte.

Die schulinterne Fortbildungsreihe „Digitale Bildung“ ist eine schuljahresbegleitende  Qualifizierung, d. h. die insgesamt 22 Kolleginnen und Kollegen, die sich verbindlich angemeldet haben, werden regelmäßig, im Abstand von zwei bis drei Wochen, in zweistündigen Sessions fortgebildet bzw. bilden sich selbst fort, denn der aktive „Hands-on“-Charakter ist essentiell für diese Qualifizierung.

Digitale BildungDie Erfahrung hat gezeigt, dass punktuelle, einmalige Fortbildungen, egal ob intern oder extern, nicht sehr nachhaltig sind und die Effekte relativ schnell verpuffen. Deshalb habe ich eine Fortbildungsreihe entwickelt, die eine kontinuierliches, gemeinsames Lernen ermöglichen soll.

Die 15 Fortbildungssessions sind fünf Modulen (siehe Abbildung unten) zugeteilt, welche einen ganzheitlichen Fortbildungsansatz gewährleisten sollen. Der Fokus der einzelnen Module liegt auf dem Erwerb bzw. dem Ausbau von unterrichtsrelevanten Fähigkeiten und Kenntnissen im Bereich „Digitale Medien“. Ziel ist es, gleichsam Lernen über Medien und Lernen mit Medien zu realisieren.

Zudem soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass sich die TeilnehmerInnen untereinander vernetzen und sich über die Unterrichtserfahrungen mit digitalen Medien austauschen.

Die Arbeit soll vorwiegend in Kleingruppen erfolgen, die sich zu Beginn eines jeden Moduls neu zusammenfinden und die ihre Erkenntnisse am Ende des Moduls in einer selbstgewählten digitalen Form dokumentieren. Dies kann z.B. ein Blog, eine Webpräsentation, ein Audio-Podcast, ein E-Portfolio, ein Erklärvideo oder eine eigene App sein.

Die dreißig Fortbildungsstunden können auf das individuelle Fortbildungsportfolio angerechnet werden. Die erfolgreiche Teilnahme wird durch die Schulleitung zertifiziert.

Die Qualifizierungsreihe wird in Kooperation mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung durchgeführt und von der Universität Hamburg wissenschaftlich begleitet.

Die Modulbezeichnungen sind bewusst allgemein gehalten, um die nötige Flexibilität für die sich schnell entwickelnde digitale Welt zu haben.

Im Modul 1 geht es um das Kennenlernen und die Auseinandersetzung mit der medialen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Die TeilnehmerInnen lernen u. a. Plattformen, Spiele und Netzwerke kennen, die das soziale und kommunikative Verhalten der SchülerInnen prägen. Zudem reflektieren die TeilnehmerInnen ihr eigenes Medienverhalten.

Das Modul 2 soll eine Beschäftigung mit den wichtigsten Herausforderungen des digitalen Zeitalters im Schulkontext ermöglichen. Hier geht es z. B. um Fragen des Datenschutzes, des Urheberrechts, aber auch des Cybermobbings mit all seinen Erscheinungsformen.

Im Modul 3 lernen die Kolleginnen und Kollegen nützliche digitale Werkzeuge für den Unterricht und für die eigene Arbeitsorganisation kennen und erproben diese – am Rechner, am Tablet oder am Smartphone.

Das Modul 4 thematisiert digitale Unterrichtsmaterialien. Die TeilnehmerInnen lernen die Angebote der Schulbuchverlage kennen, aber auch freie Unterrichtsmaterialien, so genannte Open Educational Resources sowie die wichtigsten OER-Plattformen und erfahren, wie sie selbst OER erstellen und welche Lizensierungsformen es gibt.

Im Modul 5 geht es um die konkrete Planung und Umsetzung einer Unterrichtsreihe, in der das in den vorherigen Modulen erworbene Wissen und die angeeigneten Fähigkeiten im Idealfall kulminieren.

Module_Digitale Bildung

Konzept: Michael Busch

Abbildungshinweis: Die Wortwolke wurde erstellt mit Wordle.

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15 Antworten zu „Digitale Bildung“ – ein berufsbegleitendes schulinternes Lehrerfortbildungskonzept

  1. Hokey schreibt:

    Das klingt sehr vielversprechend und ich wünschte mir so etwas auch für NRW!

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  2. Pingback: Pilotprojekt Digitale Bildung – ein Zwischenbericht | Smart Classroom Learning

  3. Lisa Rosa schreibt:

    Vor 10 Jahren wäre das klasse gewesen! jetzt finde ich es schon wieder hinter der Zeit her.

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    • Micha Busch schreibt:

      Wie bereits auf Twitter geschrieben: der Post ist eine sehr reduzierte Darstellung dessen, was in der Fortbildung passiert. Ich kann nachvollziehen, dass der Eindruck entsteht, dass es hauptsächlich um „Gefahren“ und „Werkzeuge“ geht. Das ist dann unglücklich formuliert. Ich sehe die Fortbildung vielmehr als einen regelmäßigen Raum für kollegialen Austausch zum Thema digitale Medien mit Schwerpunktsetzungen. Das Format ist sicher nicht perfekt, aber ich sehe momentan nicht viel, was in dt. Schulen in diesem Bereich seiner Zeit voraus ist. Freue mich aber über konstr. Kritik.

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      • Lisa Rosa schreibt:

        Ja, das ist richtig: in D gibt es nix besseres. Was das aussagt? Es gibt schlechteres. In D. Schauen wir mal nach Draußen, und lösen uns aus der national begrenzten Verengung: Da gibts schon ne Menge besseres. Schon länger. Aber der dt Lehrer guckt nicht raus. Und wenn ihm gesagt wird, Hamburg ist vorne (vor den amderen biederen Bundesländern), dann glaubt er, es wäre revolutionär.

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  4. Hokey schreibt:

    Das Rausgucken ist ja auch ungefähr so sinnvoll, wie wenn ein Verhungernder sich Fotos von haute cuisine anschaut. Macht auch nicht satt.

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  5. Lisa Rosa schreibt:

    Ich weiß nicht wirklich, was „konstruktive Kritik“ sein soll. Kritik ist entweder zutreffend/nichtzutreffend, oder einleuchtend/nichteinleuchtend. Konstruktiv/destruktiv wird sie dann dadurch, was der/die Kritisierte daraus macht.
    Leute, besonders historisch denkende: D war schon mal schwer hintendran mit der Modernisierung, damals zur Zeit der Industrialisierung, wo D wegen Kleinstaaterei und all dem ein hinterbliebenes Agraland war, wo die anderen Europäer schon industrialisiert fleißig an ihrem Kapitalismus strickten. Dann hamses gemerkt. Und was haben sie gemacht? einen riesigen Modernisierungssprung nach vorne und zwar so, dass den alten Industrieländern beim Zuschauen die Spucke wegblieb: Sie haben sich nämlich gleich auf die neuen Industrien Elektro und Chemie gestürzt und dort die Avantgarde gebildet . Das war sehr klug.
    Nicht klug ist, wenn man nach mindestens 10 Jahren Rückstand – und jetzt sind wir in der Gegenwart mit dem in Sachen Digitalisierung zurückgebliebenen Deutschland – nicht wenigstens mit der vordersten internationalen Avantgarde aufschließt – ich nenne ein paar Namen: Will Richardson, Steve Wheeler, Harold Jarche … und ein paar Länder: alle Skandinavischen, Kanada, UK, Australien, New Zeeland – sondern in seinem zweigliedrig-dreigliedrigen Starrsinn verharrend jetzt in deutscher Version all die Schritte nachholen will, die die anderen gemacht haben, um dorthin zu kommen, wo sie sind: Längst etablierte nationweite LMS-organisierte Lehrerbildung mit alles, das PLN im Aufbau als nächste Stufe schon beschrieben in den entsprechenden orientierenden Büchern, und die Umsetzung davon im Blick. Wir müssen mindestens dasselbe Anstatt in den Blick nehmen, was die anderen im Blick haben und können doch leicht von deren theoretischen Vorarbeiten profitieren. Noch besser wäre, wir würden uns gleich in die Experimente stürzen, analog der „neuen Industrien“ statt der Schwerindustrie in der nachholenden Industrialisierung. Aber nein. Kein pharmazeutisches Produkt wird dermaßen intensiv getestet, besprochen, hinterfragt, angezweifelt, wie in Deutschland jeder einzelne Pups-Schritt bei der Umwälzung des Bildungssystems. Fatal ist: Eine Umwälzung wird eben gar nicht angestebt. Angestrebt schein immer noch zu sein die Quadratur des Kreises: Bitte eine postmoderne Bildung, aber bittebitte gleichzeitig alles, was Tradition hat, so lassen, wie es war. Vor allem: Bloß keine selbstständigen Experimente denen erlauben, die in der Schule arbeiten: Lehrern und Schülern.
    Das halte ich für einen Fall des Nicht-die-Lehren-aus-der-Geschichte-gezogen-Habens, was ein Armutszeugnis ist für das sich sonst so mit der Lehrer-Lempel-Attitude aufplusternde Land, das sich in Nachfolge der preußischen Bildungsreformen immer noch als Bildungsnation verstehen möchte. Konsequenterweise werden auch alle sehr hilfreichen internationalen Erfahrungen, die Schleicher in diesen Fragen über die OECD in Paris sammelt und publiziert, hierzulande seit Jahren fleißig ignoriert bzw. als vermeintlich „neoliberal“ desavouiert. Ansonsten ist man hierzulande ja nicht gerade kapitalismuskritisch, aber wenn’s grad passt …
    Jedenfalls ist vieles von dem, was ich in diesen Pilotprojekten so sehe nichts weiter als nachholende Schritte, über die die anderen längst schon raus sind. Das macht mich, da ich nicht mehr so viel Zeit habe, ein bisschen ungeduldig. Es ist ja nicht so, als gäbe es nicht auch in Deutschland Leute, die all das längst beschrieben haben.

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    • Micha Busch schreibt:

      Ich stimme ja vielem zu. Auch ich sehe den Bildungföderalismus, das Kooperationsverbot und das mehrgliedrige Schulsystem kritisch. Und ja, Lehrerfortbildungen (z.B. LMS-gestützt) als Selbstverständlichkeit wären toll. Die Möglichkeiten, sich bundesweit oder international zu vernetzen und zu lernen haben auch deutsche Lehrer, z.B. über den EDchatDE. Es nutzt aber nur eine überschaubare Anzahl von LuL. Eine großangelegte „Bildungsoffensive“ in diesem Bereich ist längst überflüssig. Stimme ich dir voll zu.
      Aber: ich muss mich mit meinem Fortbildungsangebot, das ich für meine Schule entwickelt habe, auch an den Bedürfnissen der KuK vor Ort orientieren. Die Gruppe ist sehr heterogen. Eine K. hat sich bswp. noch bis vor ein/zwei Jahren stark gegen alles Digitale ausgeprochen; durch die Fortbildung hat sie sich nun erstmals damit auseinander gesetzt und mittlerweile hat sich eine Neugier entwickelt, die ich nicht für möglich gehalten habe.

      Mein Anspruch mit dieser Fortbildungsreihe ist übrigens nicht, das Bildungssystem zu revolutionieren, sondern in unserem Kollegium einen Raum zu schaffen für Fragen, Unsicherheiten, Neugier & Wünsche bezogen auf die digitale Transformation und Schule. Dabei versuche ich immer auch das Potential für die Veränderungen des Lernens sichtbar zu machen.

      Ich sehe diese SchiLF als Experiment, das Format ist flexibel – ich nehme deine Anregungen auf. Vielleicht gibt es ja auch mal die Möglichkeit zu einem persönlichem Austausch zu diesem Thema?

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      • Lisa Rosa schreibt:

        Danke für die freundliche Replik. Ja, ich sehe. Beharrlicher Pragmatismus wird gebraucht. Einerseits. Andererseits auch das „Revolutionäre“, Visionäre (nit Haluzinogene), das Big Picture, denn: Du musst nach dem Mond zielen, um über den nächsten Zaun zu kommen.

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  6. Pingback: Lernen in der digitalen Welt – Pädagogischer Jahrestag an der Stadtteilschule Am Heidberg | Smart Classroom Learning

  7. Pingback: Kollektive Lernnetzwerke – Gedanken zu schulinternen Lehrerfortbildungen | Smart Classroom Learning

  8. Die Module finde ich sehr gut, auch wenn Lisa Rosa Recht hat… ich wundere mich allerdings über die Reihenfolge: Warum die Rechtslage zuerst? Warum nicht der Einstieg mit digitalen Tools, die vielleicht ja das Unterrichten unmittelbar erleichtern? Und: ich sehe nirgends die Unterscheidung zwischen „in Lehrerhand“ (auch wichtig) und „in Schülerhand“ (überaus wichtig)! Das sollte man nicht vergessen. Dennoch eine schöne Anregung, ein Mosaiksteinchen in meinem Konzept „Schulentwicklung digital“ – übrigens auch in unserem „biederen“ Bundesland gibt es Fortschritte…

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  9. Micha Busch schreibt:

    Hallo Marc, gute Frage. Die Überlegung dahinter ist, dass man den vielen kritischen Fragen der KuK zuvorkommt. Sonst kann es passieren, dass du die tollsten Tools zeigst, aber immer die Fragen nach Datenschutz, Urheberrecht etc. im Raum stehen. Es ist allerdings so, dass ich natürlich von der ersten Sitzung an digitale Tools nutze, um die Arbeit in der SchiLf zu organisieren (Tools, die man auch im Unterricht nutzen kann). Die Fortbildungsreihe ist aber flexibel und ich werde mit meinen KuK auch über diesen Aspekt reden.

    Mir ist der (von dir in deinem Blogpost neulich gut beschriebene) Punkt „in Schülerhand“ sehr wichtig. Ich deute sehr oft und mit einer gewissen Vehemenz u.a. darauf hin, dass das eigentliche Potential der digitalen Medien aus meiner Sicht darin besteht, dass die Schüler autonomer werden, dass der Kontrollverlust auch eine Chance darstellt und dass die Verantwortung für das Lernen in die Hand der Schüler gehört – dafür Sorge zu tragen, dass das auch im Setting Unterricht/Schule funktioniert, das ist eine der Aufgaben der Lehrperson. Aber du hast recht – es bildet sich in diesem Blogpost nicht deutlich ab.

    Hast du n Link zu deinen Konzept?

    PS. Wieso auch? Wieso übrigens? Wieso bieder?

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    • Wenn ich die Zeit hätte, das in Ruhe auszuformulieren. Seit Jahren wünsche ich mir, dass alle unsere Fachmoderatoren bei der Moderation „Digitales“ mitdenken, auch damit es eben nicht als „Gimmick“ dasteht, sondern als sinnvolle Basis des Lernens in allen Fächern begriffen wird. Ich habe versucht das mal in einem Bild darzustellen (hier: http://pin.it/P7az71f ) , bin damit aber nicht mehr so recht zufrieden. So frage ich mich zum Beispiel, ob ein Medienkonzept wirklich nötig ist (-> Richard Heinen). Jedenfalls finde ich es sehr spannend, dass euer Konzept auch wissenschaftlich begleitet wird und bin auf die Ergebnisse gespannt.

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  10. Pingback: Digitale Bildung im Seminar – Im Widerstreit mit OHP-Folien und „Schwammvorrichtungen“ – #BayernEDU

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