Die NewSchool in Berlin: Schule radikal neu machen – ein Interview mit Tobias Hönig, Mitglied des Schulleitungsteams der NewSchool & Mitgründer des Bildungs-Startups Scolibri

Die neu gegründete NewSchool in Berlin versteht sich als Projekt und hat sich ein klares Ziel gesetzt: das Kind in den Mittelpunkt aller Lernprozesse zu stellen. Im folgenden Interview gibt Tobias Hönig, Mitgründer von Scolibri und Mitglied der Schulleitung der NewSchool Auskunft über dieses bemerkenswerte Schulvorhaben.

Lieber Tobias, du bist Mitglied des Schulleitungsteams der NewSchool in Berlin. Kannst du in einem Satz zusammenfassen, was die NewSchool von herkömmlichen Schulen unterscheidet?

An der NewSchool gibt es keine Noten, keinen Stundenplan, keine Hausaufgaben und keine Prüfungen; die Schüler lernen altersübergreifend und ausschließlich in Projekten.

Wie entstand die Idee zur NewSchool?

Die Idee entstand bereits vor einigen Jahren. Die beiden Gründer Udo Schloemer und Sabrina Heimig-Schloemer (sie ist auch Geschäftsführerin) hatten die Vision einer neuen Schule, in der das Kind im Mittelpunkt steht. Die beiden haben sich viele Schulen angeguckt und Leute gefunden, die sich für die NewSchool-Idee begeistern. Ich selbst habe Sabrina und Udo vor einem halben Jahr kennengelernt und bringe meine Expertise als Gründer eines Startups im Bereich Bildungstechnologie mit ein.

NewSchool_Logo

Wie gründet man eine Schule? Welche Hürden gilt es zu nehmen?

Es gibt natürlich den bürokratischen Teil, den Antragsprozess, der eine Hürde darstellt. Man muss behördliche Vorgaben einhalten und gewisse Standards sicherstellen.

Daneben gilt es aber vor allem Leute zu finden, die eine ähnliche Philosophie leben, die eine Schule wollen, in der das Kind im Fokus steht und die genügend Mut mitbringen, sich auf diese Form von Schule einzulassen. Nur so kann eine echte Alternative entstehen.

Wir verstehen die NewSchool als Projekt, als Startup – das bedeutet natürlich auch weniger Sicherheit für z. B. die Lehrer als in einer institutionell verankerten Schule. Auf der anderen Seite bieten wir allen Beteiligten deutlich mehr Raum und Freiheit, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen.

Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Finanzierung, die in unserem Fall jedoch durch die Gründer sowie erste Partner abgesichert ist.

Wie würdest du euer pädagogisches Konzept beschreiben?

Wir verstehen Schule als einen geschützten Ort jenseits von Leistungsdruck. Der Fokus liegt auf der Entfaltung individueller Bedürfnisse und Fähigkeiten der Schüler, die wir bei uns Talents nennen.

Was bedeutet Agiles Lernen in diesem Zusammenhang?

Agiles Lernen meint den Lernweg flexibel zu gestalten, den eigenen Lernweg zu finden. Es gibt verschiedene Wege, etwas zu lernen und jeder sollte den nutzen, der jeweils zu ihm passt. Ziel ist es, dass die Kinder lernen, wie sie am besten lernen.

Als Grundlage des Agilen Lernens steht das selbstgesteuerte Lernen: Die Kinder setzen sich mit den Fragen auseinander: Was brauche ich, um Lernen zu organisieren? Welche Ziele setze ich mir und wie erreiche ich diese?

Die Schüler denken also vom Ziel aus und überlegen sich, wie sie schrittweise dahin kommen. Dieser Prozess ist Projektmanagement-basiert und durch Software abgebildet

Was sind die Alleinstellungsmerkmale eures Konzepts?

Wir haben das Privileg, ein exklusives und innovatives Projekt zu realisieren.

Das Betreuungsverhältnis ist maximal 10 zu 1.

Im Fokus stehen die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen der Schüler.

Durch kontinuierliches Entwicklungscoaching jedes Kindes durch Coaches werden individuelle Talente entfaltet.

Reziprokes Lernen ist einer unser Grundsätze: der Lehrer versteht sich auch als Lerner und der Lerner (Schüler) wird auch zum Lehrer.

Das Arbeiten bei uns findet eingebettet in eine digitale Lernumgebung statt, die a) schon als Prototyp besteht und b) mit den Talents gemeinsam (weiter)entwickelt wird.

Welche Rolle spielt Technologie außerdem in eurem Konzept?

Digitale Technologie spielt eine essentielle Rolle für uns, aber wir sehen uns selbst nicht als „Technik-Schule“. Wir möchten die Kinder dazu befähigen, Werkzeuge zielgerichtet einzusetzen. Wenn das beste Werkzeug in einer bestimmten Situation ein digitales ist, dann ist das so. Es geht uns darum, eine Brücke zwischen analoger und digitaler Welt zu bauen.

Was sind Merkmale guten Unterrichts für dich bzw. für das Team der NewSchool?

Das mit dem „gut“ ist immer so eine Sache. Wenn man Unterricht als ein gemeinsames Projekt versteht, dann steht das Prozesslernen im Vordergrund und dann hängt es immer davon ab, in welcher Projektphase man sich befindet; in der Findungsphase spielen andere Dinge eine Rolle als beispielsweise in der Planungs- oder Durchführungsphase.

Drei Aspekte sind für unseren Unterricht jedoch momentan am wichtigsten: die Kinder entwickeln ihre eigenen Ziele, eine Feedback-Kultur entsteht und die Kinder haben Spaß.

Wie finanziert ihr euch?

Durch einen Elternanteil von zehn Prozent des Brutto-Einkommens und Sponsoren, damit sich auch finanzschwächere Familien das Schulgeld leisten können.

Wie kann man Schüler_in bzw. Lehrer_in an eurer Schule werden?

Grundsätzlich kann jeder Teil unserer Schulgemeinschaft werden. Meldet euch einfach!

***

Tobias Hönig

Tobias Hönig

Tobias Hönig hat Medienmanagement studiert und 2013 das Bildungs-Startup Scolibri mitgegründet. Darüber hinaus hat er den Gründungsprozess der NewSchool seit März 2015 begleitet und ist seit September 2015 Mitglied der Schulleitung.

Kontakt:

NewSchool

Tobias Hönig

Mitglied der Schulleitung

Gutenbergstraße 4

10587 Berlin

Tel.    0049 (0) 30 34 64 93 -10

Fax.   0049 (0) 30 34 64 93 -12

Mobil 0049 (0) 160 944 11 204

E-Mail: hoenig@newschool.de

www.newschool.de

www.facebook.com/newschoolberlin

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