Kinder für das Programmieren begeistern – ein Interview mit Dr. Diana Knodel, Gründerin von App Camps

In einer zunehmend digital geprägten Welt ist digitale Bildung Voraussetzung für eine selbstbestimmte Teilhabe an der Gesellschaft. Dazu gehört auch eine informatische Grundbildung. In diesem Interview gibt Dr. Diana Knodel, Gründerin von App Camps, Auskunft darüber, wie man Kinder & Jugendliche für das Programmieren begeistern kann.

Liebe Diana, mit App Camps wollt ihr Kinder für das Programmieren begeistern. Wie genau macht ihr das?

Schüler*innen entwickeln eigene digitale Produkte und erleben, dass Programmieren Spaß macht und kreativ ist. Um möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen, machen wir die App Workshops nicht mehr (oder nur selten) selbst, sondern stellen Lehrkräften unsere Unterlagen online zur Verfügung. Mithilfe von Videos und Lernkarten können Lehrkräfte (aller Fachrichtungen) mit ihren Schüler*innen programmieren und Apps oder Webseiten entwickeln.

Wie komme ich als Lehrkraft an eure Materialien? Was brauche ich sonst noch?

Lehrkräfte können sich auf www.appcamps.de kostenlos registrieren und erhalten Zugang zu den Unterlagen.

Was man braucht? Die Anforderungen sind sehr gering: Computerraum oder Laptops, Internetzugang, Browser (z.B. Firefox, Chrome, Safari). Außerdem empfehlen wir eine kostenlose Emulator Software zu installieren, damit alle Schüler (auch ohne Smartphone) die Apps testen können. Infos und Links dazu bekommt man von uns. Die Lernunterlagen für Schüler stellen wir als Druckvorlage zur Verfügung.

Es gibt kritische Stimmen, die bemängeln, dass das Material nicht frei zugänglich ist. Was antwortet ihr diesen Leuten?

Die Unterlagen sind kostenlos, aber man muss sich registrieren. Für uns ist wichtig zu wissen, wer unsere Unterlagen wo und wie nutzt. Aktuell werden unsere Unterlagen beispielsweise in allen Bundesländern Deutschlands sowie in Österreich und der Schweiz eingesetzt. Wir haben knapp 200 Lehrkräfte und andere Multiplikatoren, die mit Schüler*innen Apps entwickeln. 65% der Lehrkräfte unterrichten Informatik, 35% sind Fachlehrer, die die Unterlagen in anderen Fächern einsetzen. Teilweise im regulären Unterricht, teilweise im Rahmen von Projekttagen oder AGs. Die Unterlagen werden hauptsächlich an Schulen eingesetzt, aber auch an Hochschulen (z.B. für Mädchen-Technik-Tage) oder in Jugendzentren. Die Schüler*innen, die mithilfe unserer Unterlagen programmieren, sind zwischen 13 und 19 Jahren alt.

Quelle: App Camps, Fotograf Tamo Becker

Quelle: App Camps, Fotograf Tamo Becker

Lehrkräfte und Schüler*innen füllen auch Fragebögen aus. Diese Informationen sind für uns wichtig, um den Kurs weiter zu verbessern und zukünftige Angebote zu planen. Außerdem sind diese Zahlen und Fakten für uns wichtig, wenn es darum geht, Stiftungen oder Sponsoren zu überzeugen, dass wir es wert sind, gefördert zu werden.

Als außerschulischer Akteur ist es nicht immer leicht, Zutritt zu Schule zu bekommen. Wie sind eure Erfahrungen bisher?

Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Schulen kommen auf uns zu – nicht andersherum. Das liegt aber vermutlich einfach am Thema: Programmieren und App Entwicklung ist ein Thema, für das sich Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte interessieren. Mit unseren Unterlagen ist das einfach möglich – und macht sowohl Schülern als auch Lehrkräften sehr viel Spaß. Zumindest bekommen wir das so zurückgespielt.

Warum ist es überhaupt wichtig, dass Kinder/Jugendliche sich für das Programmieren interessieren?

Es müssen sich nicht alle dafür interessieren. Und es müssen auch nicht alle Programmierer werden. Aber alle Schüler*innen sollten die Chance haben herauszufinden, ob sie sich dafür interessieren. Dazu braucht es gute Angebote, die den Schüler*innen vermitteln, was man mit Programmieren und Informatik alles machen kann.

Quelle: App Camps, Fotograf Tamo Becker

Quelle: App Camps, Fotograf Tamo Becker

Dass digitale Kenntnisse heutzutage wichtig sind, das streitet kaum jemand ab. Wir leben in einer zunehmend digitalen Welt. Allein um die Dinge, die um uns herum passieren zu verstehen und richtig einzuordnen, macht es Sinn, dass man sich mit Digitalisierung auseinandersetzt. Und da gehört Programmieren dazu.

Wie stehst du persönlich zu der Forderung nach einem Pflichtfach Informatik?

Ich persönlich fände es gut, wenn Informatik überall angeboten werden würde. Allein schon, damit man mehr Mädchen erreicht. Aktuell ist es leider noch so, dass deutlich mehr Jungen als Mädchen Informatik wählen. Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass der kreative und spannende Part stärker herausgestellt wird.

Ab welchem Alter sollten Schüler_innen deiner Meinung nach mit informatischen Bildungsinhalten konfrontiert werden?

Am besten ab der Grundschule. Wir bekommen auch immer wieder Anfragen von Grundschulen. Allerdings liegt unser Fokus aktuell auf weiterführenden Schulen.

Code.org hat tolle Unterlagen, um Grundschüler spielerisch ans Programmieren heranzuführen. Wobei natürlich nicht nur Programmieren wichtig ist, sondern auch allgemein der Umgang mit Computern und mobilen Geräten.

Ihr kommt aus der Hamburger Startup-Szene: gibt es etwas, dass Schule/Lehrer von Start-ups/Gründern lernen kann/können?

Mittlerweile habe ich so viele tolle Lehrer und Schulen kennengelernt, dass es mir schwerfällt, das zu verallgemeinern. Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurück denke, dann würde ich mir wünschen, dass mehr Lehrer von ihrem Fach und ihrem Unterricht begeistert sind und das auch rüberbringen. Dann macht der Unterricht einfach mehr Spaß.

Beschreibe bitte die Schule, die du dir für deine eigenen Kinder wünschst.

In erster Linie wünsche ich mir tolle Lehrer*innen für meine Kinder, die gerne unterrichten und Begeisterung vermitteln.

Gibt es schon Ideen für neue (Bildungs)Projekte? Falls ja, kannst du was verraten?

Neue Projekte sind aktuell nicht geplant, aber neue Kurse: Zum Beispiel Webseiten entwickeln mit HTML und CSS und Spieleprogrammierung. Das hängt allerdings von der weiteren Finanzierung ab. Wir hoffen und glauben daran, dass wir auch weiterhin Förderer finden. Dann wird es auch weitere Kurse von App Camps geben.

Vielen Dank für das Interview!

***

dianaknodel

Dr. Diana Knodel

Dr. Diana Knodel hat Informatik mit Schwerpunkt Psychologie studiert. Sie hat als Software-Entwicklerin, Projektleiterin und Team Lead im IT Bereich gearbeitet und war Produkt Managerin bei der XING AG. Sie ist Botschafterin der Hamburg Geekettes, einer Community für Frauen in der Tech- und Startup-Branche. Als Gründerin von App Camps hat sie seit 2013 über 1.000 Menschen für App Entwicklung und Programmierung begeistert. 2014 wurde sie von Edition F und D64 unter die Top 25 Frauen für die digitale Zukunft gewählt.

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