Ankommen durch Sprache – ein Gastbeitrag von lernox

lernox ist eine Meta-Plattform, welche Online-Inhalte kuratiert. Gestartet sind die Berliner im Oktober diesen Jahres mit dem Projekt „Ankommen durch Sprache“ – Lernmaterialien für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache. Gesa Ufer von Deutschlandradio hat eine der Gründerinnen, Zwetana Penova, getroffen, um mehr über lernox zu erfahren.

Ihr seid seit Oktober online, gratuliere! Was  macht ihr, und wer profitiert von eurem Engagement?

Auf www.lernox.de können Lehrkräfte und ehrenamtliche Helfer, die geflüchtete Menschen in Deutsch unterrichten, Online-Lernmaterialien aus verschiedenen Quellen vereint an einem Ort finden, sich vormerken und mit den SchülerInnen und KollegInnen teilen. Wir sprechen von „kuratieren“, im Sinne von „persönlich empfehlen“ und „Auswahl treffen.“

Wie seid ihr auf die Idee von lernox gekommen?

Das Wissen im World Wide Web wird dezentral generiert. Je mehr Informationen wir produzieren, desto interessanter wird die Frage, wie die Menschen neues Wissen aus diesen Massen an „Informational Chunks“ kreieren können. Viele dieser Informationen können ja im richtigen Kontext als Bildungsmaterialien genutzt werden. Uns scheint es sinnvoll, aus der Vielfalt an Informationen online qualitative Empfehlungen auszusuchen und an Interessierte weiterzugeben,

Die Idee von lernox könnte man auch für andere Fächer gut umsetzen. Warum dann Deutsch als Zweit- und als Fremdsprache?

Richtig, bevor wir uns für „Ankommen durch Sprache“ entschieden haben, haben wir auch andere Fächer  angeschaut. Die Entscheidung für DaF und DaZ war naheliegend – es gibt großen Bedarf an verschiedenen Lernmaterialien für heterogene Lerngruppen. Alle DaF- und DaZ-Pädagogen, die wir dazu gesprochen haben, nutzen zwar ein Lehrbuch, sind aber ständig auf der Suche nach ergänzenden und aktuellen Lerninhalten online.

Du selbst hast ja auch Deutsch als Fremdsprache gelernt, wo denn?

Im gemütlichen Freiburg im Breisgau, beim Goethe Institut. Das war eine wunderschöne Zeit mit tollen Lehrerinnen, die mit uns zum Konzert von Tocotronic gefahren und „Tod in Venedig“ angeschaut haben.

Hört sich so an, als wären die sinnlichen, analogen Erfahrungen enorm wichtig gewesen. Und nun baust du eine digitale Plattform – ein Widerspruch?

Überhaupt nicht, in den 90ern steckte das Internet noch in den Kinderschuhen, wir waren dann viel in der Mediathek. Ein Loriot-Video halte ich immer noch für das bessere Deutsch-Lernmaterial als viele Lehrbücher.

Lass uns zum „Kuratieren“ zurückkommen: Wie werden die Materialien für lernox ausgesucht?

Wir produzieren keine Inhalte, sondern empfehlen Videos, interaktive Übungen, Arbeitsblätter, Lernspiele etc. Unsere Redaktion – sehr erfahrene Lehrkräfte und Didaktiker, vielen Dank an dieser Stelle an Natascha Remmert und Julia Schaaf, sie sind zu richtigen Goldgräbern geworden – durchforstet das Internet, testet die Materialien im Unterricht und erst dann empfehlen wir sie auf lernox weiter.

Wie sieht denn so eine Empfehlung aus, und nach welchen Kriterien werden die Materialien ausgewählt?

Sehr subjektiv – die Redaktion empfiehlt Materialien und bettet nur die bei lernox ein, die in ihrem Unterricht bei den Schülern gut angekommen sind oder zu guten Resultaten führten. Die Materialien werden dann nach Themen, Altersstufen, Lernfeldern, Kompetenzen und Materialart (also Medienformat) einsortiert.

Inzwischen haben wir schon direkte Anfragen von Nutzern, die explizit nach Materialien zum Beispiel zur Alphabetisierung suchen oder mehrsprachige Lernmaterialien brauchen.

Du hast vorher von „eingebettet“ gesprochen, was bedeutet das?

Die Materialien liegen nicht bei uns auf dem Server, sondern werden verlinkt, allerdings nicht als Text, sondern visuell und bleiben innerhalb der neutralen lernox-Oberfläche weiterhin funktionsfähig. Die Originalquellen werden sehr deutlich gekennzeichnet.

Jetzt gibt es euch seit einem Monat, gibt es erste Reaktionen?

Das Spannende an einem Web-Projekt ist, dass man sofort anhand der Nutzerzahlen sehen kann, wer uns wie lange  besucht hat und welche Materialien gut ankommen.
Nach dem Launch haben wir erst einmal darüber gestaunt, dass wir internationale Besucher haben. Dass lernox für Menschen, die weltweit Deutsch unterrichten oder lernen, interessant sein könnte, hatten wir gar nicht vor Augen. Dann haben wir große Nachfrage an „saisonalen“  Inhalten, zum Beispiel war am  Sankt-Martins-Tag das Karaoke-Video „Laterne, Laterne …“ ein Hit.

Besonders interessante Inhalte werden in dem Format „Liebling des Tages“ von Natascha Remmert zwei Mal die Woche auf Facebook gepostet. Natascha hat ein sehr gutes Gefühl dafür, was unsere Nutzer suchen und überrascht sie immer wieder aufs Neue.

Open Educational Resources (OER), freie Lernmaterialien – spielen sie auf lernox eine Rolle?

Ja, wir haben OERs auf der Plattform und möchten möglichst viele Materialien unter Common Lizenzen einbetten. Momentan finden die Nutzer eine Melange aus OERs und Lernmaterialien, welche unter konventioneller Lizenz stehen und gratis angeboten werden. Wir würden uns mehr multimediale und interaktive Inhalte als OERs wünschen. Momentan dominieren die Arbeitsblätter.

Du sagst, lernox sei ein „digitaler Service“? Ist der Einzug der Digitalisierung  im Bildungsbereich in Deutschland ein aktuelles Thema? Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen?

Das digitale Lernen der Zukunft soll und wird nichts mit  E-Learning zu tun haben.  Ich habe das Gefühl, dass die Diskussion über die Infrastruktur momentan zu sehr im Vordergrund steht. Augmented Reality, Internet of Things und künstliche Intelligenz werden neue Modelle des Lehrens und Lernens  erfordern. Diese Modelle zu entwickeln, zu testen, integrativ zu verbessern und zu implementieren – das ist die größte Herausforderung und das Abenteuer in dem ganzen Prozess.

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Zwetana Penova

Zwetana Penova studierte Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG). Sie war als Artdirectorin, Design- und Produktmanagerin für Bildungsinstitutionen und Verlage tätig. Zwetana ist Scrum Product Owner und Design-Thinking-Coach. Heute arbeitet sie leidenschaftlich als unabhängige Beraterin und Produktentwicklerin im Bereich „Educational Technology“. In ihrem Blog „Connecting Design“ (www.penova.de) schreibt Zwetana über Innovation, Bildung und Design. Außerdem ist Zwetana Dozentin für Design-Thinking und Human Centered Design an verschiedenen Hochschulen.

 

Mail: post@penova.de

Twitter: @ZwetanaPenova

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